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Aus Liebe zur analogen Fotografie

Analoge Fotografie

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Wie funktioniert analoge Fotografie?

In diesem Artikel erkläre ich dir, was die analoge Fotografie eigentlich ist und wie sie funktioniert. Das ist quasi die Grundlage, auf der die Ausführungen auf dieser Seite und eigentlich dem ganzen Blog aufbauen. Nimm dir also ruhig die Zeit (und einen Kaffee/ Tee) und starte hier entspannt deine Reise in dieses spannende Thema.

Die kurze Erklärung

Also, wie funktioniert analoge Fotografie nun? Ganz abstrakt ausgedrückt ist es ein Vorgang, um Lichtinformationen (das Bild) durch einen chemischen Prozess dauerhaft zu speichern. In diesem Fall auf dem Filmmaterial.

Das klingt jetzt vielleicht sehr kompliziert. Einfacher könnte man sagen: Mittels der analogen Fotografie erfassen wir ein Bild als Momentaufnahme und speichern es als Negativ, wie du es weiter unten siehst.

Die analoge Fotografie ist ein Vorgang, um Lichtinformationen durch einen chemischen Prozess dauerhaft speicherbar zu machen.

Die lange Erklärung am Beispiel eines S/W Analogfilms

Das Ausgangsmaterial: der lichtempfindliche Film

Vorweg sei gesagt, dass nicht nur der Negativfilm in unserer Kamera „fotografietauglich“ ist. Denn auch Fotopapier und bestimmte Flüssigkeiten (sog. „Emulsionen“) können lichtempfindlich sein. Dazu aber an anderer Stelle mehr. Da der S/W-Analogfilm an sich am weitesten verbreitet ist, nehme ich ihn als Beispiel.

Wie ist so ein Analogfilm aufgebaut?

So ein Film ist etwas ganz Besonderes, denn durch jahrzehntelange Forschung und Entwicklung ist er in der Lage, die Lichtinformation zu speichern.

Doch wie schafft er das? Das Geheimnis liegt in seiner Zusammensetzung. Denn ein analoger Film ist aus mehreren Schichten aufgebaut. Bei einem Schwarz/Weiß-Film im Kleinbildformat (KB) sind das in der Regel zwei Schichten:

1. Die Emulsion

Sie ist die lichtempfindliche Schicht und besteht aus in Gelatine eingelassenen Silberhalogenidkörnern. Diese Körner sind dafür verantwortlich, die Lichtinformation zu speichern.

2. Der Schichtträger

Auf ihm liegt die Emulsionsschicht. Daher auch der einfache, aber treffende Name. Bei einem KB-Film ist diese Schicht gefärbt und sie fungiert dadurch auch als Lichtschutzhof (s. nächste Schicht). Es gibt jedoch auch KB-Filme mit einer gefärbten Lackschicht als dritten Lage.

3. Der Lichtschutzhof

Diese Schicht findet man vorrangig bei Rollfilmen. Er verhindert irreguläre Lichtausbreitungen, die störend auf die Emulsion wirken könnten. Diese sind auch unter den Namen „Reflexionslichthöfe“ bekannt und der Schrecken vieler Fotografen.

Solltest du mal einen Mittelformatfilm selbst entwickelt, wirst du den Lichtschutzhof als farbiges Wasser bei der Vorwässerung zu Gesicht bekommen. Das sind mitunter wirklich schöne Farben!

Der Vorgang: So entsteht ein analoges Foto

Jetzt haben wir unseren lichtempfindlichen Film. Damit ein analoges Foto entstehen kann, brauchen wir aber vor allem eines – Licht! Ohne Licht sehen wir und unsere Kamera kein Bild.

Ein bisschen besser verständlich wird das, wenn wir uns das Bild oder Motiv als Lichtinformation vorstellen. Die Lichtinformation ist einfach nur reflektiertes Sonnenlicht oder Licht aus einer selbststrahlenden Quelle, dass auf uns und unsere Umgebung fällt und diese damit überhaupt erst sichtbar macht.

Wir richten unsere Kamera also auf die Lichtinformation aus, die wir speichern wollen (z. B. ein Baum auf einer Wiese) und drücken den Auslöser.

Und jetzt passiert die Magie der Analogfotografie!

Im Abschnitt über diesem hier habe ich bereits erklärt, warum der Film lichtempfindlich ist. Und jetzt kommt sein Moment!

Das Licht fällt durch die Kamera auf den Film und der ausgewählte Moment brennt sich zum latenten (d. h. vorhandenen, aber nicht sichtbaren) Bild ein. Das geschieht, indem das Licht auf die Silberhalogenide trifft und diese durch eine chemische Reaktion dazu bringt, sogenannte Belichtungskeime zu bilden.

Dort, wo kein Licht hinkommt, bleiben die Silberhalogenide ohne Belichtungskeime zurück. Das ist wichtig, denn dort entstehen später die hellen Stellen im Abzug (sprich: die dunklen Stellen im Negativ).

Wir haben jetzt also auf dem Film ein nicht sichtbares (latentes) Bild, dass durch die chemische Reaktion bzw. Nicht-Reaktion der Emulsion mit dem Licht entstanden ist. Spannender Fakt: Bei der chemischen Reaktion der Silberhalogenide mit dem Licht werden diese aufgelöst und es setzen sich reine Silberionen ab!

S/W-Kleinbildnegativ auf Leuchtplatte
Hier siehst du ein S/W-Kleinbildnegativ auf der Leuchtplatte.

Das Ergebnis: ein sichtbares Negativ

Der nächste Schritt ist die Entwicklung. Das ist ein chemischer Reduktionsvorgang, bei dem sich die Silberionen zu Silberatomen entwickeln. Es entsteht metallisches Silber.

Dabei werden die Helligkeitswerte umgekehrt zur Aufnahmesituation wiedergegeben. Du kennst das vielleicht: auf einem Negativ sind die eigentlich hellen Bereiche dunkel und die dunklen Bereiche hell. Das kommt daher, dass das Licht die Silberhalogenide vom Anfang stärker schwärzt (durch die Bildung der Belichtungskeime) als die Bereiche, auf die weniger Licht trifft.

Im Anschluss an die Entwicklung folgt das Fixieren. Denn wir haben ja immer noch Teile der lichtempfindlichen Silberhalogenide im Film. Nämlich die, auf die kein oder nur unzureichend Licht gefallen ist und die deshalb nicht ausreichend Belichtungskeime bilden konnten.

Im Klartext: Würden wir den Film ohne die Fixage aus dem Tank nehmen, würde er komplett schwarz werden und alle Bilder wären verloren.

Wir führen dem Film jetzt also die Fixierflüssigkeit zu. Diese sorgt dafür, dass die unbelichteten Silberhalogenide in Silbersalze umgewandelt werden. Die Silbersalze sind zu Beginn noch schwer in Wasser löslich. Das ändert sich jedoch nach einer genügend langen Fixierzeit und die Silbersalze können mit der Abschlusswässerung herausgespült werden.

Am Ende dieses komplexen chemischen Vorganges (der dennoch etwas vereinfacht dargestellt wurde) können wir voller Stolz auf unser sichtbares und lichtfestes Negative blicken.

Was ist der Unterschied zwischen digitaler und analoger Fotografie?

In meinem Artikel über analoge Kameras bin ich bereits auf den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Fotografie eingegangen. Ich werde es hier aber auch noch einmal kurz erklären, da es zu diesem Thema einfach dazugehört.

Im Prinzip ist der einzig wirklich wichtige Unterschied zwischen digitaler und analoger Fotografie die Art der Bildspeicherung. Bei der Analogfotografie wird das Bild wie oben beschrieben auf dem Negativ gespeichert. Bei der Digitalfotografie hingegen erfolgt die Speicherung digital über den Sensor auf die Speicherkarte.

Auch nicht zu vernachlässigen ist der Fakt, dass digitale Kameras immer auf Strom angewiesen sind. Analoge Kameras sind das nicht sehr oft stromunabhängig.

Die Vorgänge und Voraussetzungen, die schlussendlich zum Bild führen, sind jedoch die gleichen. Sowohl bei der digitalen als auch bei der analogen Fotografie benötigen wir Licht, ein Objektiv und eine Kamera. Dass die Art der Speicherung und die Technik in den Kameras sich gewandelt haben, ist dem Bild ziemlich egal.
Das Ergebnis ist immer ein Foto.

[…] der einzig wirklich wichtige Unterschied zwischen digitalter und analoger Fotografie ist die Art der Bildspeicherung.

Was gehört noch alles zur Analogfotografie?

Die Analogfotografie umfasst neben dem Prozess der reinen Fotografie und dem Festhalten der Momentaufnahme noch wesentlich mehr Aspakete. Um sich dem ein bisschen zu nähern würde ich für mein Empfinden eine Zweiteilung in technische Aspekte und kulturelle/ künstlerische Aspekte vornehmen.

Auf beide Aspekte kann ich an dieser Stelle sicher nur ein Schlaglicht werfen. Sie sind so komplex, dass sie eine eigene Betrachtung verdienen. Oder aber du besucht eines der zahlreichen Foren über analoge Fotografie und informierst dich dort weiter.

Die technischen Aspekte

Unter den technischen Aspekten der Analogfotografie fasse ich alle Verfahren, die zur Entstehung, Bearbeitung und Vervielfältigung des Fotomaterials dienen. Diese sind unglaublich vielfältig und einen Teil davon erläutere ich zum Beispiel im FAQ Analoge Fotografie.

Nur jedes einzelne Verfahren aufzuzählen, würde diesen Artikel bereits ins Unleserliche verlängern. Aber eine grobe Unterteilung möchte ich dennoch versuchen zu geben.

Der Umgang mit analogen Kameras

Egal, mit welchem Format du dich beschäftigen möchtest: Deine Kamera musst du im Schlaf kennen. So vermeidest du Fehler und kannst die besten Negative aus deinem Film herausholen.

Wenn du dich erst noch dazu belesen möchtest, starte einfach hier mit dem Artikel über analogen Kameras.

Der Umgang mit Analogfilm

Genauso wichtig wie das Wissen um die Bedienung deiner Kamera ist der richtige Umgang mit dem Film. Wenn du die Geduld hast, würde ich dir empfehlen, dich erst mal mit einem einzigen Film vertraut zu machen.

Du kannst aber dich aber zuerst auch über die einzelnen Filmformate belesen, wenn du das möchtest. Denn es gibt ja nicht nur das Kleinbildformat, sondern auch das Mittel- und Großformat, Sofortbildfilme oder Pocketfilm. Jeder hat seine Vor- und Nachteile.

Die Filmentwicklung

Bei der Entwicklung deines Filmes gibt es eine Menge zu beachten. Wenn du das jemand anderen machen lässt, hast du nicht so viele Möglichkeiten, Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen. Denn je nach Entwickler, Temperatur, Zeit oder Entwicklungsart kannst du deine Negative verändern. Ein sehr spannendes Feld, welches sich definitiv zu erkunden lohnt!

Die Dunkelkammer

Hier kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen! Egal, ob Abwedeln, Nachbelichten, Fotogramme erzeugen oder Bilder manipulieren – all das kannst du in der Dunkelkammer machen. Nicht umsonst kommen viele der heutigen Funktionen im berühmten Photoshop aus der analogen Dunkelkammer.

Sich mit den Techniken der Dunkelkammer vertraut zu machen, ist eine der größten Freuden der analogen Fotografie. Ich wollte das früher selbst auch nicht glauben, aber schon nach zwei Jahren kam ich nicht mehr umhin, mir eine Grundausstattung zuzulegen.

Wenn du das erste Mal deine eigenen Negative vergrößert hast und deinen Abzug in den Händen hältst, ist das ein unglaubliches Gefühl. Ich kam mir damals vor, als wäre ich bisher auf einem Auge blind gewesen. Deshalb kann ich dir nur empfehlen, dich mit der Dunkelkammer vertraut zu machen.

Weitere Prozesse und Verfahren

Wie schon erwähnt, gibt es zahlreiche Verfahren, mit denen du Bilder erzeugen und bearbeiten kannst. Deiner Kreativität sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Fotogramme, Cyanotypien, Daguerreotypie, Direktdrucke usw. sind nur einige der weiteren Wege, die du einschlagen kannst.

Wenn du in der Analogfotografie Fuß gefasst und schon ein bisschen Erfahrung in der Filmentwicklung/ der Dunkelkammer gesammelt hast, werden diese Themen bestimmt spannend für dich sein!

Wir müssen „Technik“ nicht immer wörtlich nehmen. Die Mechanik einer analogen Kamera macht nur einen kleinen Teil dieses breiten Themenfeldes aus.

Die kulturellen/ (künstlerischen) Aspekte

Mit den kulturellen/ künstlerischen Aspekten meine ich weniger die Auseinandersetzung mit Fotografen, dem Bild als Kunstwerk oder einer kreativen Auseinandersetzung mit dem Medium „Foto“. Das ist sicher auch sehr spannender und vielfältiger Bereich, der jedoch in einer allgemeinen Einführung in das Thema analoge Fotografie den Rahmen sprengen würden.

Vielmehr geht es mir darum, warum wir eigentlich fotografieren? Wie ist die Fotografie entstanden, warum hat sie sich weiterentwickelt und was treibt Menschen an, Fotos zu machen?

Die Genese der Fotografie ist auf jeden Fall einen extra Artikel wert. Ich möchte an dieser Stelle eher auf die Ursprünge der Analogfotografie aufmerksam zu machen. Aus meiner Sicht hilft das, bewusster zu fotografieren und sich der Macht bewusst zu werden, die man da in den Händen hält.

Blickt man nur einige Jahrhunderte zurück und versetzt sich in diese Zeit, wird uns nämlich bewusst, wie klein und aufgeregt die Welt damals war. Zeugnisse aus anderen Ländern, von anderen Bräuchen, anderer Kleidung und anderer Hautfarbe gab es damals höchstens aus der Erzählung eines Reisenden. Alles, was nicht im eigenen Dorf passierte, war einem fremd.

Die Fotografie hat es geschafft, die Größe und Vielfalt der Welt erlebbar zu machen. Dass diese Entwicklung nie aufgehört hat und wir jetzt täglich einer Bilderflut gegenüberstehen, die uns die Schönheit und Einzigartigkeit der Fotografien, aber auch der Welt ganz normal, ja selbstverständlich vorkommen lässt, war aber vielleicht nie das Anliegen der Fotografie.

Analoge Fotografie lernen

Wenn du jetzt in dieses spannende Hobby einsteigen möchtest, kann ich das natürlich voll verstehen ;). Allerdings kann man sich damit doch schon überfordert fühlen, denn es gibt so viel zu lernen.

Damit du weißt, wo du anfangen kannst, schau dir einfach den Artikel „Dein Start in die analoge Fotografie“ an. Wenn du lieber von hier aus starten möchtest, klicke dich einfach nach und nach durch diese Artikelserie.

Hinweis: Die Bilder selbst sind leider keine Links. Du musst auf die (zum Teil schlecht lesbaren) Links auf den Bildern klicken.

Fazit

Du merkst sicherlich, dass das Thema „Analoge Fotografie“ mit diesem Beitrag nicht einfach abgegolten. Ganz im Gegenteil hast du sicherlich noch viele weitere Folgefragen. Schau dich einfach hier auf dem Blog um und folge den Links, die du hier findest. Dann wirst du sicher bald einen guten Überblick über dieses spannende Thema bekommen!

Keep Knipsing!
Marcel


Weitere Artikel zur Analogfotografie

Du möchtest einfach noch weiter quer durch die Themen lesen? Dann habe ich hier vier Vorschläge für dich:

Quellen:

(1) Solf, Kurt Dieter. 1990. Fotografie. Grundlagen – Technik – Praxis.

(2) Spitzing, Günther. 1990. Das Fotolabor.

(3) Wikipedia: Schwarzweißfilm (letzter Aufruf: 29.11.2021).