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Aus Liebe zur analogen Fotografie

Analog Kameras

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie funktionieren analoge Kameras?
  2. Kleinbildkameras
  3. Mittelformatkameras
  4. Großformatkameras
  5. Was ist der Unterschied zwischen digitalen und analogen Kameras?
  6. Analoge Kameras – ein nahezu unendliches Thema

Dieser Artikel soll dir einen Überblick über die drei wichtigsten Typen von analog Kameras verschaffen. Denn die Wahl einer solchen kann einen schnell überfordern. Damit dir das nicht passiert, stelle ich dir hier alle wichtigen Arten von Analog Kameras einmal kompakt (!) vor. Zusätzlich findest du hier zu allen Kameras, die ich besitze, eine ausführliche Vorstellung.

Für den Einstieg ist es jedoch ratsam, einmal kurz über die grundlegende Funktionsweise von Filmkameras zu sprechen. Danach fällt die Unterteilung in die einzelnen Kameratypen sehr viel einfacher.

So sehen verschiedene analog Kameras aus.

Wie funktionieren analoge Kameras?

Alle analogen Kameras funktionieren im Prinzip gleich. Denn auf das Wesentliche heruntergebrochen, sind sie Apparate, mit deren Hilfe du eine Lichtinformation (das Motiv) auf ein Speichermedium (den analogen Film oder ein anderes lichtempfindliches Material) bannst.

Genau dafür sind Analogkameras konstruiert worden. Ich verdeutliche das einmal am Beispiel einer analogen Kleinbildkamera. Was genau eine Kleinbildkamera ausmacht, liest du im nächsten Abschnitt. Nun jedoch erstmal zur Funktionsweise.

Das Kameragehäuse

Eine Kleinbildkamera besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: dem Gehäuse (auch Body genannt) und dem Objektiv. Der Body ist ein lichtdichter Kasten, der dafür sorgt, dass das Licht ungestört auf dem Film landen kann. Ein gutes Kameragehäuse hat deshalb keine offenen Stellen, durch die sogenannte Lichtlecks entstehen könnten (häufig passiert das bei gebrauchten Kameras dennoch. Besonders, wenn die Lichtdichtungen schon porös sind). Zusätzlich darf sich das einfallende Licht im Body nicht reflektieren, etwa durch glänzende Stellen oder fehlende Beflockung.

Im Kameragehäuse sitzt außerdem der Verschluss. Dieser Mechanismus öffnet und schließt sich abhängig davon, welche Verschlusszeit an der Kamera eingestellt ist. Der Verschluss lässt für die Länge der Öffnungszeit (= der Verschlusszeit) Licht auf den Film fallen.

Das Objektiv

Technisch gesehen ist ein Objektiv ein lichtsammelndes optisches System. Es sorgt dafür (abhänging von der Brennweite und der eingestellten Blende), wie das Licht auf den Film fällt. Ist es gut verarbeitet und vergütet, kann das Licht klarer und störungsfreier auf den Film fallen, als wenn das Objektiv schlecht verarbeitet ist.

Im Objektiv sitzt die Blende. Sie ist ein Mechanismus, der sich beim Druck auf den Auslöser deiner Kamera öffnet und erst nach Ablauf der eingestellten Verschlusszeit wieder schließt. Der Verschluss deiner Kamera und die Blende arbeiten also synchron.

Dem Thema Objektive kann man natürlich einen eigenen umfangreichen Artikel widmen, das sprengt an dieser Stelle jedoch den Rahmen. Wichtig für dich ist erstmal nur, dass es in Kombination mit dem Body das wichtigste Teil deiner Kamera ist.

So funktioniert eine analog Kamera

Um dir zu verdeutlichen, wie eine analoge Kamera funktioniert, vollziehen wir am besten einmal den Weg des Lichts nach.

Sagen wir, du richtest deine Kamera auf eine Gruppe von Bäumen auf einer Wiese. Das Licht der Sonne fällt auf diese Szenerie und alle Gegenstände reflektieren dieses Sonnenlicht aufgrund ihrer Eigenschaften unterschiedlich. Zum Beispiel reflektieren die Bäume weniger Licht, da sie aufgrund ihrer vielen dichten Blätter mehr Sonnenlicht absorbieren. Die Wiese hingegen reflektiert mehr Sonnenlicht, da die Halme heller sind als die Blätter und Stämme der Bäume.

Diese „Lichtinformation“ fliegt nun in alle Himmelsrichtungen davon, auch auf dich und deine Kamera zu. Du entschließt dich, diese Szenerie zu fotografieren und misst die Belichtung. Das heißt, du ermittelst den Lichtwert, den wir als Menschen brauchen, um das Motiv später auf dem Papier zu erkennen. Nachdem du den Lichtwert ermittelt hast, den dir der Belichtungsmesser in einer Blende/Verschlusszeit-Kombination ausgegeben hat, stellst du deine Kamera entsprechend ein.

Jetzt kommt der kritische Schritt: du drückst auf den Auslöser! Jetzt hat das Licht für einen kurzen Moment Zeit, durch die geöffnete Blende im Objektiv gebündelt zu werden und durch das Kameragehäuse sowie den geöffneten Verschluss auf den Film zu treffen. Der Verschluss schließt wieder und das Licht wird ausgesperrt. Das macht aber nichts, denn der Film ist jetzt belichtet. Nun setzt die Reaktion ein, die Dank der Emulsion (das ist die chemische Schicht, die auf dem Filmträger liegt) das Bild auf den Film bannt. Jetzt muss es nur noch entwicklelt werden, damit es sichtbar wird. Fertig!

Da du jetzt grob weißt, wie analoge Kameras funktionieren, kommen wir zu den drei großen Kameratypen: Kleinbildkameras, Mittelformatkameras und Großformatkameras.

Kleinbildkameras

Diese analogen Kameras waren namensgebend für den Blog. Bei der Gründung dachte ich, dass ich nur in diesem Format fotografieren würde. Wie sehr ich mich doch getäuscht habe! Aber das ist eine andere Geschichte.

Kleinbildkameras sind seit jeher der am weitesten verbreitete Typ von analogen Kameras. Das kommt vor allem daher, dass sie erschwinglich, einfach zuhandhaben und weit verbreitet sind. Denn diese Kameras kennen wir meistens noch von unseren Eltern und Großeltern.

Praktica MTL 50 Frontansicht einer analog Kamera.
Die Praktica MTL 50 war eine meiner ersten analogen Kameras.

Filmformate beim Kleinbild (KB)

Der Einfachheit ist unter anderem geschuldet, dass es „nur“ ein Format gibt. Eben das Kleinbildformat in Form der Filmstreifen, die dir wahrscheinlich auch schon begegnet sind. Sie haben das bekannte 35mm Format, da die Filmstreifen 35mm breit sind. Auf einen Film passen in der Regel entweder 24 oder 36 Bilder, je nachdem, welchen Film du kaufst.

Was zeichnet eine Kleinbildkamera aus?

Kleinbildkameras, und besonders Kleinbild-Spiegelreflexkameras (Kleinbild SLR), sind so ziemlich der Inbegriff der analogen Fotografie in der heutigen Zeit. Natürlich werden auch Mittel- und Großformatkameras wieder bekannter. Der Großteil der Analogfans konzentriert sich jedoch auf die KB-Kameras.

Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie klein und handlich sind, ihre Handhabung meistens intuitiv und fehlerunanfällig. Sie eignen sich perfekt für den Einstieg in die analoge Fotografie, eben weil sie so bekannt sind und oft noch im Elternhaus herumliegen.

Zudem sind die Filme für diese Art Kamera im Vergleich zu den anderen noch recht günstig und man bekommt sehr viele Bilder auf einen Film. Die Kosten pro Bild sind also recht gering.

Die Kameras selbst und das Zubehör wie Objektive, Motoren oder Filter sind in der Regel recht günstig, von den Exoten wie zum Beispiel Leica mal abgesehen.

Es gibt jedoch nicht nur Kleinbild-SLR, sondern auch noch andere Kameraarten. Zum Beispiel Kompaktkameras, Point ’n Shoots oder Rangefinder. Zu diesen „Unterarten“ der Gattung Kleinbildkamera komme ich aber noch an anderer Stelle zu sprechen.

Kleinbildkameras im Detail

Hier findest du eine Übersicht über Berichte zu Kleinbildkameras, mit denen ich bisher gearbeitet habe (die Liste ist unvollständig):

Mittelformatkameras

Der Irrtum mit dem 120er Film

Zum Einstieg möchte ich einen Hinweis auf einen weit verbreiteten Irrtum geben. Denn viele Fotografen sprechen im Zusammenhang mit Mittelformatkameras von 120mm Film (analog zum 35mm Film der Kleinbildkameras). Das ist jedoch falsch. Der 35mm-Film ist, wie der Name schon sagt, 35mm breit. 120er Film ist dagegen nicht 120mm breit, sondern 61,5mm. Man sagt zu diesem Film übrigens auch Rollfilm.

Die Reflekta 2 ist eine Mittelformatkamera und damit eine Art analog Kamera.
Die Welta Reflekta II ist eine Mittelformatkamera und im Speziellen eine Twin Lens Reflex-Kamera (TLR)

Filmformate im Mittelformat (MF)

Der Mittelformatfilm kann, anders als Kleinbildfilm, in verschiedenen Formaten verwendet werden. Oder um präziser zu sein: es gibt Mittelformatkameras, die den Rollfilm in verschiedenen Formaten belichten. So gibt zum Beispiel eine Mamiya M645 Negative im Format 6 cm x 4,5 cm aus. Eine Kiev 60 wiederum erzeugt Negative im Format 6 cm x 6 cm und eine AGFA Box 44 belichtet den Film im Format 6 cm x 9 cm. Doch alle diese Kameras nutzen den selben Film: 120er Rollfilm.

Hier noch einmal zusammengefasst die möglichen Formate im Mittelformat:

  • 6×4,5 cm – in diesem Format passen 15 Bilder auf den Film
  • 6×6 cm – in diesem Format passen 12 Bilder auf den Film
  • 6×9 cm – in diesem Format passen 9 Bilder auf den Film

Was zeichnet eine Mittelformatkamera aus?

Diese Art Kamera ist in der Regel größer als alle Kleinbildkameras. Dadurch hast du einfach „mehr Kamera“ in der Hand. Es gibt natürlich Ausnahmen wie Boxkameras, die Pouva Start oder die sogenannten „Falter“, die über einen Balgen verfügen und ausgeklappt werden können. Ein Beispiel für diese Falter-Kamers ist zum Beispiel die ADOX Golf Serie.

Der wesentlich größere Vorteil ist jedoch die größere Fläche der Negative. Denn durch die höhere Auflösung geben die Mittelformatnegative viel mehr Details wieder als Kleinbildnegative. Außerdem lässt es sich nach dem Entwickeln einfach schön mit MF-Negativen arbeiten. Und wer schon mal ein MF-Dia in den Händen hatte, wird mir beipflichten, wenn ich sage: das ist einfach pure Schönheit!

Und last but not least: Mittelformatkameras kommen oft mit einem Lichtschachtsucher einher. Denn jede Kamera bringt immer einen Lichtschacht (sofern überhaupt vorhanden) in der Größe ihres Negativformats mit. Und das Fotografieren über diese großen Sucher ist einfach eine Freude! Wenn du das einmal probiert hast, weißt du, was ich meine.

Mittelformatkameras im Detail

Hier findest du eine Übersicht über Berichte zu Mittelformarkameras, mit denen ich bisher gearbeitet habe (die Liste ist unvollständig):

Großformatkameras

Ich besitze selbst keine dieser Kameras, daher ist der folgende Abschnitt eine Zusammenstellung der wichtigsten Infos, die ich auf den größten Seiten zu diesem Thema finden konnte.

Großformatkameras sind analoge Kameras, die Aufnahmematerial ab dem Format 9 cm x 12 cm aufwärts nutzen. Heutzutage wird meistens Planfilm verwendet, früher wurde mit Ihnen jedoch auf Glasplatten fotografiert. Diese wurden zuvor mit einer fotochemischen Emulsion beschichtet, um für die Fotografie eingesetzt werden zu können.

Chamonix Alpinist X - eine analoge Großformatkamera. Und eine Art analog Kamera.
Die Chamonix Alpinist X ist ein Paradebeispiel für Großformatkameras.

Bestandteile einer Großformatkamera

Eine Großformatkamera besteht in der Regel aus den folgenden vier Elementen:

  • die Frontstandarte, welche das Objektiv aufnimmt.
  • die Bildstandarte, welche die Mattscheibe und die Filmkassette beherbergt
  • einen Balgen, der die Front- und die Bildstandarte verbindet
  • der Laufboden, der beweglich ist und zur Fokussierung genutzt wird

Filformate im Großformat

Bei diesen Kameras gibt es eine Vielzahl an möglichen Formaten, die ich hier nicht alle im Einzelnen aufzählen kann. Es gibt jedoch einige gängige und sehr weit verbreitete Formate:

  • 9 x 12 cm
  • 13 x 18 cm
  • 18 x 24 cm
  • ongoing …

Was zeichnet eine Großformatkamera aus?

Das Besondere an Großformatkameras ist, dass für jede Aufnahme ein neues Blatt einzeln eingelegt werden muss. Es gibt also nicht den einen Film, den man durchfotografiert. Deshalb muss auch jedes Blatt einzeln entwickelt werden.

Und wie die Formate schon vermuten lassen, sind die Negative unglaublich groß und dadurch sehr detailreich, ganz wie es schon beim Vergleich zwischen Kleinbild und Mittelformat war.

Der Nachteil ist natürlich, dass das Fotografieren mit diesen Kameras sehr aufwändig ist. Sie sind sehr groß, brauchen nicht selten ein Dreibein und wie schon angesprochen, muss jedes Blatt einzeln entwickelt werden. Im Prinzip sind Großformatkameras der Inbegriff der analogen Fotografie: langsam, aufwändig und entschleunigt.

Was ist der Unterschied zwischen digitalen und analogen Kameras?

Von einigen technischen Abweichungen mal abgesehen, gibt es eigentlich nur zwei wesentliche Merkmale, die analoge Kameras von digitalen unterscheiden. Nämlich zum einen das Aufnahmemedium und zum anderen die Art der Speicherung der Bilder.

Bei einer Analogkamera ist der Film das Aufnahmemedium. Denn er speichert, getrieben durch die chemischen Prozesse, die Lichtinformation des Motivs. Wie wir nämlich aus der Physik wissen, sehen wir bei allen Objekten, die wir wahrnehmen, nicht die Objekte selber. Wie sehen das Licht, dass von ihrer Oberfläche reflektiert wird. Und wie der zweite Satz schon angedeutet hat, ist der Film auch das Speichermedium. Hier fallen Aufnahme- und Speichermedium also zusammen.

Bei einer Digitalkamera ist der Sensor das Aufnahmemedium. Auf ihn trifft die selbe Lichtinformation wie auf den Film. Er wandelt diese Informationen jedoch in elektrische anstatt in chemische Signale um. Diese Signale werden dann in der Kamera oder auf einer Speicherkarte gespeichert. Hier sind Aufnahme- und Speichermedium also voneinander getrennt.

Davon abgesehen, sind beide Kameraarten in ihrem grundlegenden Aufbau identisch. Vorne gibt es ein Objektiv, dass die Wahrnehmung des Bildes bzw. der Lichtinformation ermöglicht. Dahinter hängt ein lichtdichter Kasten mit mehr oder auch weniger technischem Schnickschnack und innerhalb dieses lichtdichten Kasten liegt das Aufnahme- und Speichermedium.

Warum trotz dieser Gemeinsamkeiten immer wieder die leidige Diskussion darum losgetreten wird, welche Art zu Fotografieren nun die beste sei, hat sich mir nie erschlossen.

Analog Kameras – ein nahezu unendliches Thema

So, das erstmal alles, was du für die Einführung in das Thema analoge Kameras wissen musst. Wenn du noch weitere Fragen hast, schau dich gerne weiter hier um, stell mir die Fragen auf Instagram oder komm‘ in den Livestream auf Twitch (Infos dazu auf Instagram).

Es gibt auf jeden Fall noch so viel mehr zu Erfahren und zu Entdecken und ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel dein Interesse ein wenig wecken konnte!

Keep Knipsing!

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