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Aus Liebe zur analogen Fotografie

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Analoge Filme

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Wenn du in die analoge Fotografie einsteigst, wirst du ziemlich schnell auf die Frage sto├čen: „Welchen Film nehme ich jetzt eigentlich?“

Ich kann dich beruhigen, f├╝r den Anfang kannst du einfach in die Drogerie deiner Wahl rennen und den n├Ąchstbesten Film greifen. Denn du willst ja erstmal anfangen. Aber nach ein paar Testfilmen kommen sicherlich ein paar Fragen auf, die ich dir hier gerne beantworte.

Es schadet ├╝brigens auch nicht, diesen Artikel im Vorfeld zu lesen. Je mehr du ├╝ber dieses Thema wei├čt, desto besser kannst du mit dem Material umgehen!

├ťbrigens #1: Wenn du dich nur f├╝r die Belichtung interessierst, nimm einfach diese Abk├╝rzung zum Artikel ├╝ber die Belichtung analoger Filme.

├ťbrigens #2: Du fragst dich, welchen Film du wann einsetzen solltest? Dann lies dir einfach den Artikel Welcher Film f├╝r welche Gelegenheit durch.

Wie funktioniert analoger Film?

Aufbau

Um zu verstehen, wie er funktioniert, schauen wir uns am besten den Aufbau eines Films an.

Auch wenn er uns sehr d├╝nn vorkommt, besteht ein analoger Film aus mehreren Schichten. Bei einem Schwarz/Wei├č-Film im Kleinbildformat (KB) sind das in der Regel zwei wichtige Schichten, die Emulsion und die Tr├Ągerschicht. ├ťber der Emulsion liegt meistens noch eine Gelantineschicht als Schutz.

1. Die Emulsion

Diese Schicht ist lichtempfindlich und besteht aus Silberhalogenidk├Ârnern, die in Gelatine eingelassenen sind. Diese K├Ârner haben die Aufgabe, die Lichtinformation (sprich, das Motiv) zu speichern.

2. Der Schichttr├Ąger

Wie der Name schon sagt, liegt die Emulsion auf dieser Schicht. Bei einem Kleinbildfilm ist sie eingef├Ąrbt und dient so auch als Lichtschutzhof. Daneben gibt es jedoch auch Filme mit einer gef├Ąrbten Lackschicht als dritten Lage.

3. Der Lichtschutzhof

Einen Lichtschutzhof finden wir meistens bei Rollfilmen. Er verhindert ungewollte Lichtausbreitungen, welche st├Ârend auf die Emulsion wirken k├Ânnten. Diese sogenannten ÔÇ×Reflexionslichth├ÂfeÔÇť kannst du dir als eine Art Streulicht vorstellen und sie sind der Schrecken vieler Fotografen.

Positiver Nebeneffekt des Lichtschutzhofes: bei der Vorw├Ąsserung f├Ąrbt er das Wasser (unterschiedlich je nach Hersteller) in wirklich sch├Ânen Farben!

Funktion

Wenn du dich f├╝r ein Motiv entschieden hast und auf den Ausl├Âser dr├╝ckst, passiert folgendes:

Licht gelang durch Objektiv und Kamera auf den Film und dein Motiv brennt sich zum latenten Bild ein. Latent bedeutet, das Bild ist zwar auf dem Film vorhanden, aber f├╝r das menschliche Auge noch nicht sichtbar.

Dieses latente Bild entsteht bei einer chemischen Reaktion. Wenn n├Ąmlich das Licht auf die Silberhalogenide in der Emulsion trifft, l├Âst es diese Reaktion aus und es bilden sich sogenannte Belichtungskeime.

Wo kein Licht hinkommt, bilden sich folglich auch keine Belichtungskeime. Stellen, die wenig Licht bekommen, bilden nur wenige dieser Keime. Da sich diese bei der Entwicklung schwarz f├Ąrben, entstehen so unterschiedlich helle Bereiche.

Zusammengefasst: Die unterschiedlichen Helligkeiten auf deinem fertigen Schwarz/Wei├č-Bild entstehen durch die unterschiedliche Anzahl an Belichtungskeimen, je nachdem, wo wie viel Licht auf das Negativ gefallen ist.

Unser latentes Bild w├╝rden wir jetzt durch die Entwicklung des Films sichtbar machen. Falls dich das auch interessiert, habe ich hier eine Anleitung zum Entwickeln von S/W-Film aufgeschrieben.

Fertig entwickelter analoger Film in der Schlussw├Ąsserung mit Adoflow.
So sieht ├╝brigens ein fertig entwickelter Film aus. Mit der Anleitung oben kannst du das auch!

Positiv- und Negativfilm

Es gibt ├╝brigens eine Menge M├Âglichkeiten, Film zu klassifizieren. Ich werde nicht alle hier abdecken. Was ich dir aber noch mitgeben m├Âchte ist eine der grundlegendsten Arten, Film zu unterscheiden. N├Ąmlich die Unterteilung in Negativ- und Positivfilm.

Diese Unterteilung ist so grundlegend, weil sie sich auf alle Filme anwenden l├Ąsst. Es gibt S/W-Positivfilm genauso wie als Negativfilm und mit Farbfilmen verh├Ąlt es sich genauso.

Um es einfach zu erkl├Ąren: Bei Negativfilmen h├Ąltst du nach der Entwicklung das sprichw├Ârtliche Negativ in der Hand. Die Helligkeitswerte sind invertiert. Das bedeutet, helle Stelle auf dem Negativ sind auf dem fertigen Abzug (dem „Positiv“) dunkel und umgekehrt.

Bei Positivfilmen h├Ąltst du nach der Entwicklung gleich ein Positiv in der Hand, also ein Abbild der Realit├Ąt mit den richtigen Helligkeitswerten. Bei Positivfilmen sind helle Stelle auf dem Filmstreifen auch in der Realit├Ąt hell und dunkle Stellen sind eben dunkel.

Empfindlichkeit analoger Filme

Wenn von der Empfindlichkeit bei Analogfilmen die Rede ist, dann ist damit die Lichtempfindlichkeit gemeint. Sprich, wie stark oder weniger stark reagiert der Film auf Licht (deswegen ist ein anderer Begriff auch Filmempfindlichkeit).

Die Lichtempfindlichkeit wird in Zahlen angegeben. Haushalts├╝bliche Filme starten bei 50 und gehen bis 3200. Es gibt aber auch analoge Filme mit Empfindlichkeiten weit au├čerhalb dieser Spanne. Je kleiner die Zahl, desto weniger stark reagiert der Film auf Licht. Je h├Âher die Zahl, desto st├Ąrker reagiert er.

Was bedeutet das in der Praxis? Mit h├Âherempfindlichen Filmen kannst du noch dunklere Motive mit einer angemessen Verschlusszeit fotografieren, welche bei niedrigempfindlichen Filmen kein brauchbares Negativ mehr ergeben w├╝rde.

Vorsicht, Falle: die angegebene Empfindlichkeit auf der Packung ist nicht immer die reale Empfindlichkeit des Filmes! Das ist besonders beim Kodak TMAX P 3200 der Fall, der „nur“ eine reale Lichtempfindlichkeit von 1000 hat. Meinfilmlab hat einen guten Bericht ├╝ber diese h├Âchstempfindlichen Filme geschrieben.

Die Empfindlichkeit analoger Filme wird heutzutage in ISO angegeben. Fr├╝her wurde sie in ASA (Amerika), DIN (Deutschland) oder GOST (ehem. Sowjetunion) angegeben. In diesem Artikel habe ich die alten Bezeichnungen f├╝r die Filmempfindlichkeit genauer beschrieben. Heute begegnen uns diese Abk├╝rzungen noch auf alten Belichtungsmessern und der Empfindlichkeitseinstellung an der Kamera. Als To Go-Info solltest du wissen, dass du die ISO der Filme 1:1 auf die ASA-Werte an Kamera und Beli ├╝bertragen kannst.

Praktica MTL 5B ISO Einstellrad
An R├Ądchen wie diesen wird oft die Filmempfindlichkeit an der Kamera eingestellt.

K├Ârnung bei analogen Filmen

Die K├Ârnung, also die Sichtbarkeit des Korns, h├Ąngt direkt mit der Empfindlichkeit analoger Filme zusammen. Aber von vorne.

Was ist die „K├Ârnung“ bzw. was ist „das Korn“? Das Korn ist das oben beschriebene Silber nach der chemischen Reaktion der Entwicklung. Es sammelt sich bei der Entwicklung zu mal mehr, mal weniger gro├čen Kornballen. Diese Kornballen nehmen wir dann in Summe als K├Ârnung war.

Da sich das Silber bei der Filmentwicklung schwarz f├Ąrbt, nehmen wir die K├Ârnung auf hellen Bildstellen ├╝brigens besonders intensiv wahr. Schwarze Punkte stechen auf wei├čen Fl├Ąchen eben mehr heraus als auf dunklen.

Wie h├Ąngt die K├Ârnung mit der Empfindlichkeit des Films zusammen? Je lichtempfindlicher ein Film ist (also je h├Âher die ISO ist), desto mehr neigt ein Film zur st├Ąrkeren Ausbildung von Korn.

Das liegt daran, dass mehr Silberk├Ârner ben├Âtigt werden, um diese hohe Empfindlichkeit zu erreichen. Und je mehr Silber es gibt, desto mehr und gr├Â├čere Kornballen bilden sich. So entsteht die sprichw├Ârtliche „grobe K├Ârnigkeit“.

Hier siehst du ein Beispiel f├╝r grobes Korn bei analogen Filmen.
Ein Paradebeispiel f├╝r grobe K├Ârnigkeit. Hier eingesetzt als Stilmittel f├╝r die Bildserie Solitude.

Farbfilme

Mit Farbfilmen oder zumindest mit den Farbbildern ist wohl jeder von uns schon in Ber├╝hrung gekommen. Und seien es nur die Fotos der Mutter oder Oma vom Urlaub anno 1994.

F├╝r den Einstieg eignet sich der Kodak Gold 200 meiner Erfahrung nach am besten. Er liefert gute Farben und ist im Vergleich zu anderen Farbfilmen nicht so teuer. Falls du noch einen Fuji C200 in die H├Ąnde bekommst, ist dieser aber genauso gut geeignet.

Diese beiden Filme sind Amateurfilme, die sowohl bei der Belichtung als auch bei der Verarbeitung mehr Fehler verzeihen als ein professioneller Film. Solche professionellen Analogfilme sind z. B. die Kodak Portra-Filme oder Kodak E100.

F├╝r den Einstieg und zum Testen von neuer Ausr├╝stung kannst du die Amateurfilme meiner Meinung nach einfach zur Drogerie bringen. Gute Filme solltest aber lieber selbst entwickeln. Die Entwicklung von Farbfilmen ist aber anspruchsvoller als die Entwicklung von Schwarz/Wei├č-Filmen. Daher solltest du lieber damit als ├ťbung anfangen.

Schwarz/Wei├č-Filme

Mit Schwarz/Wei├č-Filmen hat die Entwicklung der Fotografie auf Film angefangen. Nach Glasplatten waren sie das erste Material, welches im gro├čen Stil f├╝r die analoge Fotografie benutzt wurde. Sie zeichnen sich, wie der Name schon sagt, durch das Fehlen von Farben aus. Manchmal wird auch der Begriff „Monochrom“ synonym benutzt.

In der analogen Fotografie sind schwarz/wei├č-Filme (auch S/W-Filme abgek├╝rzt) auch heute noch mindestens genauso beliebt wie Farbfilme. Wenn nicht sogar beliebter!

Das liegt daran, dass s/w-Bilder durch das Weglassen der Farbe oft an sich schon „k├╝nstlerischer“ wirken. Ich rate dennoch davon ab, sie zu beliebig einzusetzen. Das habe ich schon in einem meiner ersten Blogartikel ├╝ber S/W-Fotografie gesagt.

Davon abgesehen lassen sie sich aber auch sehr einfach selbst zu Hause entwickeln. Wenn du das spannend findest, habe ich hier eine Anleitung zum Entwickeln von S/W-Filmen aufgeschrieben.

Positiv-Filme („Dia-Filme“)

Positivfilme kennst du vielleicht von alten Dias. Vereinfacht gesagt sind das Filme, bei denen auf dem Filmstreifen schon die Bilder „richtig“ zu erkennen sind (s. Erkl├Ąrung oben). Es gibt aber nicht nur Farbpositivfilme wie den Kodak E100, sondern lange auch S/W-Positivfilme wie den Kodak BW 400CN oder Agfa Scala. Leider wurden diese Filme bereits eingestellt.

Ein sehr beliebter Farbpositivfilm war der AGFA Precisa, welcher jedoch leider bereits eingestellt wurde.

Fazit

Das war eine kurze Einf├╝hrung in das Thema analoge Filme. Es gibt noch einiges mehr zu erfahren und zu lernen. Aber mit diesem ├ťberblick hast du genug Wissen, um deine Filme sinnvoll und gezielt einzusetzen.

Viel Spa├č dabei und Keep Knipsing!

Quellen: Freytag: Foto- und Filmbuch (1955), Feininger: Die hohe Schule der Fotografie (1961), Solf: Fotografie Grundlagen – Technik – Praxis (1990), Hedgecoe: Fotografie f├╝r K├Ânner (1982).