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Camerawomen die 2te: Mehr Women als Camera [Anzeige]

Tacho!

Die Verleger von Camerawomen haben aufgrund meines ersten Beitrags zur Zeitschrift Camerawomen angefragt, ob ich nicht mal in die zweite Ausgabe reinschauen möchte. Ich habe mich natürlich nicht lange bitten lassen, schließlich will ich Euch wissen lassen, ob alle meine Bedenken gerechtfertigt waren. Übrigens haben sie mir dafür die aktuelle Ausgabe gratis überlassen, vielen Dank an dieser Stelle! Dennoch gibt es auch dieses Mal eine kritische, aber faire Auseinandersetzung und keine reine Lobhudelei.

Was bekommst Du, wenn Du Camerawomen kaufst?

Zunächst einmal kommt es von außen wie eine normale Fotozeitschrift daher. Das Inhaltsverzeichnis liest sich auch erst mal gut. Mehrmals ist von „Workshop“,  „Cameracheck“ und „KnowHow“ die Rede. Was auf den ersten Blick gut klingt, wird sich im Laufe des Lesens allerdings als durchwachsen erweisen. Ein Beispiel aus der Kategorie ‚Fototipps für Reisen‘ (KnowHow): „Auch mal schwarzweiß sehen.“ Aha.

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„Können die auch sinnvoll?“

… frage ich mich unwillkürlich. Ja, können Sie. Sehr gut hat mir die Reportage „Der zeitlose Krieg“ gefallen, denn hier wird das Blatt seriös. Ein relevantes Thema wird authentisch rübergebracht und zeigt beeindruckende und berührende Bilder. Mehr davon!

Ein weiterer Pluspunkt: Wann wird nicht mit annähernd so viel Werbung zugeschüttet wie in den anderen Magazinen. Ob das gewollt ist oder ob einfach noch niemand die Zeitschrift ernst nimmt, sei mal dahingestellt. Die Zukunft wird zeigen, ob man auch da unkonventionell bleibt.

Insgesamt macht der Inhalt einen runden Eindruck. Die Beiträge sind aufeinander abgestimmt und ergänzen sich. Es wird viel „Feeling“ vermittelt, etwa durch eine Doppelseite voller Liedzitate über Fotografie oder eine Story über Missgeschicke beim Fotografieren. Man möchte sich von den herkömmlichen Zeitschriften absetzen, was auch gelingt.

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Bitte keine Männer

Es gibt aber auch negative Seiten. Der Ausschluss männlicher Fotografen ist für mich der größte (hausgemachte!) Kritikpunkt. Würde das Magazin nicht auf einer ganzen A4-Seite damit prahlen, dass es alle Zielgruppen anspricht (s. Bild unten), könnte ich ja geflissentlich drüber hinweg sehen. Aber so ist es einfach nur eine Farce. 95 % der Texte sind von Frauen für Frauen geschrieben. Männer werden in keinem Text direkt ein-, wohl aber ausgeschlossen, da meistens nur von „Fotografinnen“ die Rede ist.

Klischees ohne Ende

Eine andere Kuriosität: Ankündigungen zu einer Ausstellung in Venedig. Schließlich kommen wir da ja auch alle 14 Tage vorbei. Naja, vielleicht ist das Erbsenzählerei.

Keine Erbsenzählerei ist hingegen die endlose Bedienung aller nur möglichen Klischees, die einem zu Frauen und Fotografie einfallen. Gefühlt beschäftigt sich jeder dritte Beitrag mit der Erstellung eines Fotobuches. Dazu gibt es noch halb gare Reise-Fototipps, damit man selbige schnellstmöglich füllen kann. Der Cameracheck beschränkt sich auf die Faktoren Bildqualität, Handhabung und Preis/Leistung, wobei für keinen davon nachvollziehbare und vergleichbare Indikatoren festgelegt werden. Ich habe den Eindruck, man schreibt den Testbericht eher so aus dem Bauch heraus und so kalauern auch die Wortwitze („Die Ergebnisse bei schwachem Licht sind nicht erhellend“) eher so vor sich hin. Emanzipation sieht anders aus!

Abo-Werbung im aktuellen Heft.

Für Männer? Wohl eher nicht! Ausschnitt aus der Abo-Werbung im aktuellen Heft.

Wirrwarr bei Preis und Abo

Wer die aktuelle Ausgabe kauft, bezahlt dafür am Kiosk seiner Wahl 5 €. Das ist erst mal fair und liegt im Mittelfeld der Preise. Allerdings sollen wir für das Abonnement der vier Mal im Jahr erscheinenden Zeitschrift 25 € bezahlen (s. oben). Warum? Seit wann wird ein Magazin im Abo teurer als am Kiosk? Die Logik dahinter erschließt sich mir nicht. Auch nicht, wenn man eine 16GB Speicherkarte oder ein Fotobuch-Gutschein gratis dazubekommt. Da sind die Prämien anderer Verleger wesentlich attraktiver.

Auch irritierend: Das Impressum der Zeitschrift weist den Einzelpreis des Heftes mit 6 € aus. Da dürfen sich die neuen Leser wohl bald auf eine Preiserhöhung freuen.  Edit: Der gute Jürgen von Camerawomen hat mich darauf hingewiesen, dass sich diese 6 € inkl. Porto verstehen, wenn man das Heft einzeln bestellen würde. Es wird also keine Preiserhöhung geben!

Trotzdem bleiben die Einzelhefte entgegen der Praxis auch dann immer noch günstiger als das Abo.

Fazit: Kein ernsthaftes Fotomagazin

Meine erste Einschätzung hat sich also bewahrheitet, es geht um Familienfotos und Fotobücher. Und darum, ob die neue Kompaktkamera auch in die Handtasche passt. Damit ist Camerawomen für mich die „Brigitte“ unter den Fotomagazinen. Ernsthafte FotografInnen werden Camerawomen einfach zu wenig abgewinnen. Der fotografische State of the Art wird weiterhin in anderen Zeitschriften zu finden sein.

Euer Marcel

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2 Antworten

  1. da hat wohl mal jemand „Tacheles“ geredet 😉
    Ich finde, er hat zum Teil Recht,. Um ein ernsthaftes Fotomagazin zu werden, sollte zukünftig in Camerawoman die „Handtaschenfotografie“ und das Schminckfach in der Fototasche bedeutungsloser werden und die Kameraentscheidung nach dem Bodyinhalt ausfallen und nicht nach Farbe, Gewicht und Größe. Sonst könnte das gut angedachte Konzept bald zur Cameratussy mutieren.

    • Marcel sagt:

      Hallo Almut!

      Ich bin in der Tat niemand, der Sachen schönredet. Das ist meines Erachtens sehr wichtig, um sich ein objektives Bild machen zu können und genau das möchte ich euch ja ermöglichen.
      Ich finde es sehr spannend zu sehen, dass Du als Fotografin mein Empfinden teilst. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Frauen mit dem Magazin durchaus konform gehen. So kann man sich täuschen, danke dafür!

      Marcel

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