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Aus Liebe zur analogen Fotografie

Objektive für analoge Kameras gebraucht kaufen: deine 7-Punkte-Checkliste

Der Kauf gebrauchter Objektive ist eine gute Möglichkeit, dein fototechnisches Spektrum zu erweitern. Damit du dabei nicht allein auf weiter Flur stehst, geben ich dir eine Checkliste für den Objektivkauf an die Hand.

Der Gebrauchtmarkt ist, gerade bei der analogen Technik, sehr gut ausgebaut. Durch die Dominanz der Digitalfotografie bekommst du sehr gute und früher kostspielige Objektive für einen günstigen Preis. Doch nicht jedes Angebot meint es gut mit dir! Gerne verramschen unseriöse Händler schlechte oder defekte Objektive für einen hohen Preis. Damit du nicht in die Falle tappst und dich später ärgerst, habe ich für dich eine kurze Anleitung zum Kauf gebrauchter Objektive für analoge Kameras (z.B. das Nikon Series E 50mm 1.8) zusammengestellt.

Checkliste für den Kauf gebrauchter Objektive:

1. Sei dir bewusst, was du willst!

Der größte Fehler ist, einfach drauf loszusuchen. Auch wenn dich die Lust nach Veränderung meistens spontan überkommt, solltest du nicht überstürzt auf Ebay einfach nach „28mm M42-Objektiv“ suchen. Vielmehr solltest du vorher recherchieren, etwa auf der äußerst beliebten Seite von Ken Rockwell, welche Objektive in deinen geplanten Arbeitsbereich (Makro, Tele usw.) tatsächlich etwas taugen. So kannst du zielsicher mit der Suche starten.

2. Der äußerer Eindruck zählt

Schaue dir auf dem Flohmarkt oder bei Ebay das Objektiv genau an, lass dir bei Letzterem zur Not noch weitere Bilder schicken. Kleine Dellen und Verformungen zeugen von Stößen oder gar Stürzen. Dadurch kann die empfindliche Mechanik im Inneren beschädigt worden sein. Das kannst du nicht immer sehen, aber meistens hören. Hier lohnt sich also auf jeden Fall ein leichtes Schütteln. Wenn es im Inneren klappert, Finger weg.

3. Prüfe auf Pilzbefall

Achte auf Pilzbefall im Objektiv. Dieser wird bei Ebay meist unter dem Stichwort „Fungus“ angegeben. Pilzbefall musst du dir nicht wie Sporen oder Schimmel im Objektiv vorstellen, sondern es handelt sich dabei meistens um farblosen Glaspilz. Daher das Objektiv immer im Gegenlicht prüfen, da der Pilz sonst schwer auszumachen ist.

Objektiv mit M42 Anschluss für analoge Kameras.
Gute Objektive gibt es viele auf dem Markt. Mit diesen Tipps erkennst du sie zuverlässig.

4. Achte auf (inneliegenden) Staub

Es bleibt natürlich nicht aus, dass ältere Objektive Staub ansetzen, wenn sie nicht benutzt werden. Dieser sollte sich aber lediglich auf der Außenseite befinden. Um das festzustellen, reise ich immer mit Lenspen zu Flohmärkten oder Kamerabörsen an. So kann ich die Linsen zur Not vor Ort säubern und auf Nummer sicher gehen. Es lohnt sich einfach nicht, auf gut Glück ein Objektiv zu kaufen, um dann zu Hause festzustellen, dass man das gute Stück nicht benutzen kann. Es sei denn, du traust dir zu, ein Objektiv zu zerlegen.

5. Checke die Linsen auf Kratzer

Das neue Objektiv muss natürlich auch frei von Kratzern sein. Das gilt sowohl für die kamera- als auch die objektseitigen Linsen. Hier empfiehlt sich ebenfalls, im Gegenlicht durch das Objektiv zu schauen. Du kannst auch auf ein einfarbiges Tuch oder eine glatte Fläche schauen. So erkennst du mögliche Kratzer schnell und sie gehen nicht im Wirrwarr der Hintergrundszenerie unter.

6. Prüfe die Mechanik

Macht das Objektiv äußerlich einen guten Eindruck, steht jetzt ein Funktionstest der Mechanik an. Dafür solltest du den Blendenring in beide Richtungen bis zum Anschlag drehen und beobachten, ob die Blendenlamellen auch entsprechend folgen. Außerdem sollte sich die Blende nicht zu schwerfällig bewegen, das könnte auf eine Verharzung oder Deformierung der Blendenlamellen schließen lassen. In diesem Fall hättest du nur kurz Freude an Deiner neuen Errungenschaft. Verharzte Fette können übrigens auch in der Kamera auftreten. In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich das z. B. bei der Welta Reflekta II gelöst habe.

Schließe jetzt das Objektiv an eine Kamera an und prüfe, ob die manuelle, und falls vorhanden auch die automatische, Fokussierung funktionieren. Hier sollte alles reibungslos von Statten gehen.

Gleiches gilt natürlich auch für eine eventuell vorhandene Telezoom-Funktion! Vorsicht ist hier zudem bei allzu leichtgängigen Bewegungen geboten. Wenn sich der Fokusring oder der Tele-Tubus allein durch eine Neigung des Objektivs (respektive der Kamera) verstellt, deutet das auf eine zu lose Mechanik oder gelöste Verschraubungen hin, die ebenfalls einen Defekt darstellen.

EXA 1A mit angesetztem Objektiv von Meyer Optik Görlitz
Ist das Objektiv in einem guten Zustand, fehlt nur noch der Test an der Kamera.

7. „Fernkauf“ (Ebay und Co.)

Bei den Punkten 3 bis 6 musst du dich bei Fernkäufen leider auf die Angaben des Verkäufers verlassen. Daher ist es essenziell, wirklich die Artikelbeschreibung zu lesen. Außerdem solltest du bei Unklarheiten immer nachfragen, beispielsweise wenn die Linsen nicht gut zu sehen sind. Es sollte auch immer dabei stehen, ob die Funktionen geprüft wurden und ob sich Blende und Fokusring gut bewegen lassen. Bei Beschreibungen á la „Dachbodenfund, keine Ahnung, ob das Teil noch geht“ solltest du wirklich jedes Detail erfragen. Meistens tarnen unseriöse Verkäufer so nämlich ihre Schrottobjektive.

Tipp: Hier findest du eine weitere Checkliste zum Kauf gebrauchter analoger Kameras.

Was sind deine Tipps für den Kauf gebrauchter Objektive? Teile deine Erfahrungen mit der Community in den Kommentaren!