Die Wiederbelebung der Welta Reflekta II – Spiegeltausch und schwerfälliger Fokushebel

Tacho!

Momentan ist meine Zeit leider begrenzt (was sich ab September wieder ändert, ich kann es kaum erwarten!), aber diese kleine Geschichte möchte ich trotzdem erzählen. Sie handelt von der Wiederbelebung einer eigentlich als Ausstellungsstück gedachten Kamera.

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Aber von vorne.

Seit geraumer Zeit begeistere ich mich auch für das Mittelformat, aber nicht so sehr wegen des Rollfilms an sich, sondern wegen der dazugehörigen tollen Technik. Ich liebe einfach den Schachtsucher und die Kontrolle über das Bild, die er ermöglicht.

Aus diesem Grund habe ich mir vor ein paar Monaten eine gebrauchte Welta Reflekta II zugelegt. Bei der war der Spiegel typischerweise nach der langen Lagerungszeit nahezu blind, aber trotzdem hätte man noch Fotos machen können – wenn da nicht der fast unbewegliche Fokushebel gewesen wäre, was die Ebay-Auktion natürlich verschwieg. Daher war es nicht verwunderlich, dass der Hebel schon recht verbogen ankam und sich auch nach einer groben Reinigung nicht bewegen lies.

Die Rettung des Fokushebels

Unfähig, etwas am Zustand des Fokushebels zu ändern, stellte ich die sonst recht schöne Kamera aufs Regal, um sie mir wenigstens oft ansehen zu können.

Aber eines Tages packte es mich wieder. Als ich die Schnauze voll hatte von der Arbeit für die Uni, hab ich mich wieder ran gesetzt und den Gewindemechanismus noch mal komplett zerlegt. Ich hatte einfach Lust drauf und die Angst vor der Mechanik verloren. Mehr kaputtmachen konnte ich ja eh nicht. Und siehe da, es war gar nicht so schwer.

Reflekta II Fokusgewinde

Reflekta II Fokusgewinde

Ich habe das alte, feste und verschmutzte Schmierfett mithilfe von Ballistol Waffenöl entfernt, welches sich übrigens nicht für eine Neuschmierung eignet. Dafür kriecht selbst das Ballistol zu viel. Also zum Baumarkt gefahren und stinknormales Mehrzweckfett gekauft (muss aber harzfrei sein!). Damit lief das Gewinde wieder wie eine Eins!

Spiegel: Aus alt macht neu

Beflügelt von dem Erfolg, wollte ich die Reflekta jetzt komplett fertig machen. Also Spiegel putzen. Kann nicht so schwer sein, nur Chemikalien sollte ich vermeiden. Ich also ran mit nem feuchten Wattestäbchen. Gaaaaanz schlechte Idee!

Reflekta II alter Spiegel

Reflekta II alter Spiegel

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Die Teile sind nämlich mit einer Art Silberschicht bedampft und die verträgt nicht mal Wasser. So schnell wie die Beschichtung ab war (s.o.), konnte ich gar nicht gucken.

Aber zum Glück kann man sich genau diesen Spiegel neu kaufen, weil die tolle Firma MediaLas diesen unter der Bezeichnung LS50 weiter produziert. Du kannst Dir meine Freude und Erleichterung sicher vorstellen. Also für 17 € bestellt und zack!, war er da.

Reflekta II alter und neuer Spiegel

Reflekta II alter und neuer Spiegel

Der Rest ist dann schnell erzählt. Man kann den Schachtsucher sehr leicht demontieren, dazu muss man nur die vier Schrauben am Gehäuse oben lösen und den Schachtsucher nach vorne kippend hochziehen. Den alten Spiegel kann man dann mit mehr oder weniger Kraftaufwand nach oben schieben. Die alten Kleberreste halten da eh nichts mehr. Genauso leicht kann man den neuen Spiegel dann auch wieder einschieben et voilà, der Sucher sieht so frisch aus wie am ersten Tag!

Vergleich alter und neuer Spiegel

Links der alte und rechts der neue Spiegel.

Der erste Film ist jetzt belichtet und wird gerade entwickelt. Es kann passieren, dass sich der Fokuspunkt leicht verschiebt, wenn der neue Spiegel etwas höher ist. Dadurch würden die Bilder unscharf, weil ich sie anders sehe als die eigentliche Bildebene. Aber das wird der erste Film zeigen. Du wirst es jedenfalls bald sehen 😉

Die Moral von der Geschichte

Trau‘ Dich ruhig mal selbst an eine Reparatur, wenn es nicht gerade eine Leica ist! Es macht nicht nur Spaß, sondern das Gefühl danach ist einfach unbeschreiblich schön und die Arbeit mit der Kamera wird Dir dann dreimal so viel Spaß machen!

Keep Knipsing!

(Ha, das wird vielleicht meine neue Schlussformel! 😀 Wehe, einer klaut die! 😉 )

 

 

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4 Antworten

  1. Fredi sagt:

    Gratulation zur Reparatur. Schöner Beitrag. Vielleicht gehe ich bei meiner Franca Solida Jr. auch mal intensiver ran.

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